Regula Mühlemann ist längst nicht mehr nur ein Shooting-Star, die Sopranistin hat sich trotz ihres jungen Alters bereits fest im Opern- und Konzertbetrieb etabliert und verzückt mit ihrer silbrig schimmernden Stimme alle Publikumsschichten. Wir freuen uns sehr, dass sie unserer Einladung und dem Vorschlag unseres Dramaturgen folgte, zwei Kantaten von Georg Friedrich Händel zu singen, die anderen Sopranistinnen oft den Angstschweiß auf die Stirn treiben.

Wie im vorigen Artikel zum Messiah erwähnt, ist Händel einer der besterforschten Komponisten des 17. und 18. Jahrhunderts. Dennoch gibt es einige weiße Flecken in seiner Biographie und seinem Kompositionsschaffen. Die beiden Soprankantaten Silete venti HWV 242 und Gloria in excelsis Deo HWV deest. sind zwei Beispiele hierfür. Schon der Hinweis „deest.“ (lat. von deesse, „abwesend sein“) im Händel ­ Werke-Verzeichnis weist darauf hin, dass die Komposition nicht im ursprünglichen Werkkatalog vorhanden ist, sondern später hinzugefügt wurde.

Eine Wiederentdeckung

Gloria in excelsis Deo wurde erst 2001 in der Bibliothek der Londoner Royal Academy of Music wiederentdeckt, was einem Sensationsfund gleichkam. Auch wenn das Werk nicht in Händels Handschrift vorliegt, besteht kein Zweifel, dass es sich um ein Original des Meisters handelt. Schwieriger ist die Datierung der Komposition. Hans Joachim Marx, einer der führenden Händel-Spezialisten, geht davon aus, dass das Werk um 1706/07 entweder noch in Deutschland oder bereits in Italien entstanden ist. Aufgrund der enormen Virtuosität und den langen Koloraturketten ist es denkbar, dass die Kantate für einen Soprankastraten verfasst wurde, wenngleich dies Spekulation bleibt.

Vieles bleibt im Dunkeln

Ein Anlass für die Entstehung des geistlichen Werkes ist ebenfalls nicht überliefert. Hans Joachim Marx erforschte auch die Kantate Silete venti und kommt zum selben Schluss: weder Anlass noch genaues Datum sind bestimmbar. Zwei Hypothesen werden immer wieder diskutiert. Entweder hat Händel die Kantate 1729 als Geschenk für Kardinal Carlo Colonna komponiert, oder sie entstand bereits 1724, als die Royal Academy of Music in Paris gastierte und wo die berühmt-berüchtigte Sopranistin Francesca Cuzzoni sie dem jungen Ludwig XV. vorsingen hätte können. Francesca Cuzzoni galt als überaus virtuose Sängerin und die anspruchsvolle Partitur würde durchaus zu ihrem Ambitus passen, den wir aus zahlreichen Opernarien gut kennen. Nichtsdestotrotz bleibt auch im Falle von Silete venti vieles im Dunkeln. Dunkel sind beide Kompositionen keinesfalls, sie strahlen regelrecht mit ihrer außerordentlichen Virtuosität und stimmlichen Eleganz. Gerade die Finalsätze „Cum sancto spirito“ (Gloria) und „Alleluja“ (Silete) sprühen vor beschwingter Lebens- und Sinnesfreude.

Hier ein wundervoller Vorgeschmack auf unsere Konzertabende in Freiburg, Stuttgart und Berlin:

Um unserer Solistin Regula Mühlemann während der Konzerte eine Verschnaufpause zu ermöglichen, erklingen neben den beiden Kantaten noch zwei Instrumentalwerke von Georg Philipp Telemann und Johann Friedrich Fasch. Beide Kompositionen geben mit ihren feierlich-pastoralen Hornklängen dem geistlichen Vokalprogramm noch eine dezente, adventliche Note – ideal für den Wintermonat Dezember!

Konzerttermine:

20.12.2019: Stuttgart >>> Tickets
22.12.2019: Berlin >>> Tickets
23.12.2019: Freiburg >>> Tickets