Die Liebe inspiriert die bildende Kunst seit Jahrtausenden, selbstverständlich auch die Musik. Um die wortlose Liebe in all ihren Facetten dreht sich das Gemeinschaftsprojekt „Liebeslieder united“, dass das Freiburger BarockConsort zusammen mit unseren „Mitbewohnern“, dem Ensemble Recherche im Lörracher Burghof gestaltet.

Bewusst wählten wir für dieses Projekt Musik, die das Thema Liebe ohne Vokalkompositionen darstellt, sondern in ganz intimer Manier, mit kleiner Instrumentalbesetzung. Während das ensemble recherche sich seinem Steckenpferd, der zeitgenössischen Musik, widmet, reist das FBconsort ins England 16. Jahrhunderts, der Blütezeit der Consort-Musik.

Schon der Begriff „consort“ ist aus dem Englischen übernommen, wenngleich er lateinischen Ursprungs ist und so viel wie „Vereinigung, Gemeinschaft“ bedeutet. Erste Quellen, die den Begriff enthalten, stammen aus der Zeit Elisabeths I. und wurde für Musik mit „weichklingenden“ Instrumenten verwendet, worunter Schalmeien, Blockflöten, Violinen und Gamben verstanden wurden. Consorts spielten vor allem Tanzmusik bei Bällen oder anderen prächtigen Anlässen. So gab Robert Dudley, Earl of Leicester sowie engster Vertrauter der Königin, im Jahre 1575 ein ausladendes Fest zu Ehren Elisabeths, zu dessen Anlass ein Sänger auf dem Rücken eines Delphins in einem See für die Königin sang und dabei von einem „Consort of Musicke“ begleitet wurde. Über die genaue Größe eines solchen Consort-Ensembles schweigen die Quellen in jener Zeit, doch ist davon auszugehen, dass es sich um ungefähr sechs Instrumentalisten handelt, in denen der mit seiner mannigfaltigen Verzierungstechnik im Mittelpunkt stand, daneben erklangen Banduren (Zithern), Gamben etc. In jener Zeit finden wir auch den Begriff „broken consort“, wobei sich die Wissenschaft bis heute nicht einig ist, was dieser nun genau bedeuten soll. Die einen vertreten die Ansicht, dass es sich hierbei um die Vermischung verschiedener Instrumentenfamilien (z.B. Streich- und Blasinstrumente) handle, die anderen hingegen vermuten dahinter die verzierungsreiche Spielart der Instrumentalisten.

Dass die Laute im Mittelpunkt des Consorts stand, ist nicht nur der bereits erwähnten Verzierungskunst zu verdanken, sondern ihrer damals ungemeinen Popularität durch das englische Lautenlied. In dieser Gattung steht zweifelsohne John Dowland im Zentrum, der unzählige Lautenlieder verfasste, darunter auch die Galliarde „Can she excuse my wrongs?“. Der Verfasser des Textes ist nicht überliefert, doch gibt es Hinweise, dass es tatsächlich Robert Devereux war, der Earl of Essex, dessen Leben nach einer Rebellion gegen die Herrscherin auf dem Blutgerüst endete. Dowland arbeitete das Lied später zu einer fünfstimmigen Consortkomposition um, die heute als „The Earl of Essex Galliard“ sehr bekannt ist.

Viele Komponisten zu Dowlands Zeiten blieben im Gegensatz zu diesem Lautenvirtuosen nicht im öffentlichen Gedächtnis und wurden im Laufe der Generationen weitestgehend vergessen. Besonders spannend liest sich die Biographie von Francis Tregian (1574–1619). Als Sohn eines wohlhabenden, aber streng katholischen Landadeligens, war er großen Repressalien in seiner Jugend ausgesetzt, weswegen der junge Tregian vermutlich in Frankreich und Rom ausgebildet wurde. Mit der Thronübernahme James‘ I. und der damit zusammenhängenden Rekatholisierung Englands konnte er in seine Heimat zurückkehren. Allerdings beharrte er auf der Rückgabe der Ländereien, die noch von Elisabeth beschlagnahmt wurden, und weigerte sich, an einem anglikanischen Gottesdienst teilzunehmen. So wurde er 1609 verhaftet und verstarb 10 Jahre später im Fleet-Gefängnis, einer berüchtigten Haftanstalt am östlichen Ufer des River Fleet.

Während Tregian ein durchaus wechselhaft-tragisches Leben hatte, schien der Komponist Tobias Hume (1569–1645) das Leben von seiner schöneren Seite kennengelernt zu haben. Zwar war seine Tätigkeit als schottischer Söldner und später als Hauptmann für die schwedische und russische Armee alles andere feinsinnig, doch seine Kompositionen zeichnen ihn als veritablen Scherzkeks aus. Voll Ironie, Witz und ulkigen Einfällen strotzen seine Werke: u.a. verfasste er „An Invention for Two to Play upone one Viole“. Hierbei hatte ein Gambist auf dem Schoß eines anderen (oder auch hintereinander) zu sitzen.

Konzerttermin

03.12.2019 Lörrach Burghof